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Wie ich Negative wässere

Entwickelter Schwarzweissfilm Rollei Retro 80S beim Trocknen

Am Ende einer jeden Filmentwicklung steht das Wässern mit anschließendem Trocknen. Dadurch werden die Chemikalien, die noch auf der Filmoberfläche abgelagert sind, entfernt. Andernfalls könnte sich der Film später verändern.

Nachdem der Fixierer ausgeschüttet wurde, fülle ich 20 Grad kaltes Wasser in den Entwicklungstank, verschließe den Deckel und kippe den Tank 5 mal. Das Spülwasser wird ausgekippt und durch neues ersetzt und diesmal 10 mal gekippt. Danach das Wasser wieder gewechselt und 15 mal gekippt. Danach 20maliges Kippen. Für den folgenden Spülvorgang nehme ich destilliertes Wasser. Dieses sorgt dafür, dass der Film anschließend schlierenfrei und ohne Kalkrückstände abtrocknen kann. Zusätzlich gebe ich einen Spritzer eines Netzmittelbades (das ist im Grunde nichts anderes als Geschirrspüler) dazu, welches den Trocknungsvorgang wie auch beim Geschirrwaschen unterstützt.

Nach dem Auskippen des letzten Bades hole ich den Film vorsichtig aus der Spule. Das heisst, ich öffne die Spule und kippe den aufgerollten Film in meine Handfläche. Da er nass und schaumig ist (vom Netzmitellbad), klebt er leicht zusammen, lässt sich aber sehr gut auseinander rollen. Das mache ich gewöhnlich in der Duschkabine, denn das ist eine sehr tropfende Angelegenheit. Den ausgerollten Film halte ich mit der linken Hand hoch, so dass das Ende nicht den Wannenboden streift, und ziehe mit der rechten Hand, den Film zwischen rechtem Zeige- und Mittelfinger liegend den Film entlang (nicht zwischen Mittel- und Ringfinger, denn an ihm trage ich meinen Ehering, der den Film beschädigen könnte), so dass die Feuchtigkeit abgestriffen wird. Den Vorgang wiederhole ich ein zweites Mal, allerdings halte ich den Film nun mit der rechten Hand und nehme die Finger der trockenen linken Hand zum Abstreifen.

Zum Schluss wird er mit einer Wäscheklammer aufgehängt und am unteren Ende mit einer weiteren Klammer beschert, damit er sich beim Trocknen nicht aufrollt. Dabei rolle ich die Filmenden einmal um, so dass sie etwas breiter werden und den Klammer mehr Halt bieten.

Solange der Film nass ist, ist er noch empfindlich! Daher ist unbedingt darauf zu achten, dass keine scharfkantigen Dinge an ihn gelangen (Ringträger müssen aufpassen, dass diese beim Abstreifen nicht an die Filmoberfläche gelangen), ansonsten könnte der Film zerkratzen.

Meistens entwickel ich nicht mehr als zwei Filme am Tag, so dass sie keine Engpässe ergeben. Zum Aufhängen der Negative benutze ich nämlich einen ausrangierten Kleiderbügel, welcher zwei Wäscheklammern eingearbeitet hat. Diesen Bügel hänge ich über den oberen Duschkabinenrahmen, so dass die Negative trocknen können. Wie gesagt, zwei Negative haben Platz. Nach einem Urlaub habe ich habe schnell mal mehrere Filme zu entwickeln. Entweder ich strecke die Entwicklung über mehrere Tage, oder aber ich helfe beim Trocknen mit dem Fön nach (mit Kaltluft oder maximal Warmluft, aber nie Heißluft, denn ich weiß nicht, ob der Film dies vertragen würde. Sofern der Film aufgehängt ist, föhne ich ihn zwei- bis dreimal  von jeder Seite von oben nach unten ab und lasse ihn dann während des Entwicklungsprozesses des Folgefilms (ich entwickeln lediglich ein Mittelformatfilm zur Zeit, nie zwei auf einer Spule) hängen. Während er Fixierphase bleibt genügend Zeit, den Film ein weiteres Mal zu föhnen. Den zweiten entwickelten Film hänge ich dann neben den ersten an den Bügel, föhne ihn ein erstes Mal und fange anschließend mit der Entwicklung des dritten Films an. Auch für diese Zeit bleibt der erste Film zum Trocknen hängen. Am Ende des dritten Entwicklungsvorganges ist der erste Film dann trocken. Er hing mindestens 1 Stunde und wurde zweimal abgeföhnt. Nun wird er abgenommen, zurecht geschnitten (jeweils 3 Aufnahmen zusammenhängend) und in eine Papierhülle geschoben.