analog

Das Zonensystem von Ansel Adams

Das Zonensystem von Ansel Adams und Fred Archer

Ansel Adams, der verstorbene Meisterfotograf aus den USA, entwickelte in den 40iger Jahren zusammen mit Fred Archer das Zonensystem zur richtigen Belichtung und Entwicklung von Negativen und Abzügen.

Adams fotografierte mit einer Großformatkamera und (noch vor Entwicklung der Farbfotografie) natürlich in Schwarzweiß. Sein Ziel, welches er auch grandios erreichte, war es, Belichtungs- und Entwicklungsprozess so aufeinander abzustimmen, dass der komplette Tonwertbereich von Weiß bis Schwarz mit all den Grauwerten dazwischen wiedergegeben werden würde.

Auch wenn das Zonensystem eigentlich für die Schwarzweißfotografie mit der Großformatkamera entwickelt wurde, haben die Erkenntnisse daraus grundlegende Bedeutung für die gesamte Fotografie, auch für die digitale Fotografie mit dem Smartphone (wo man sie mangels Einstellungsmöglichkeiten an der Handykamera jedoch meistens nicht anwenden kann, denn vielmehr erledigt dies die Automatik).

Wie „funktioniert“ das Zonensystem denn nun eigentlich? Wie geht man damit um?

Im Grunde funktioniert es gar nicht, sondern beschreibt verschiedene Helligkeiten und ihr Verhältnis zueinander, wobei die verschiedenen Helligkeiten als Zonen bezeichnet werden. Viele Fotografen vertreten die Ansicht, dass die unterschiedlichen Helligkeiten von Schwarz bis Weiß in 11 Zonen untergliedert seien, das Zonensystem somit 11 Zonen umfasse. Das ist so aber nicht ganz richtig! Natürlich ist es richtig, dass es 11 Stufen bzw. Zonen von Schwarz bis Weiß gibt. Ebenso klar ist, dass es kein schwärzeres Schwarz als das der Zone 0 geben kann. Ebenso wenig kann es in einem Bild weißer sein, als das Weiß des Papiers, welches in seiner Reinform ab Zone 9 zu sehen ist. Die Begrenzung auf 11 Stufen gilt aber nur für den Abzug eines Negativs, nicht für das Negativ selbst! Dies ist eine wichtige Erkenntnis, denn durch Manipulation eines Abzuges sind auch die höheren Zonen des Negativs ab Zone 9 auf dem Papierabzug abziehbar. Es handelt sich dabei im Grunde um das analoge Pendant zu den digitalen HDR-Bildern.

Die heutigen Negativfilme erlauben Dichten bis hin zur Zone 15 bis 18, abhängig vom jeweiligen Film.

Der analoge Schwarzweißfilm

Ohne in die einzelnen chemischen Details gehen zu wollen, kann man grob sagen, dass der Film aus einem klaren, durchsichtigen Kunststoffträger besteht, der mit einer chemischen Substanz beschichtet ist, welche ganz viele, kleinste lichtempfindliche Silberhalogenidkörnchen enthält. Diese werden auch als das Filmkorn, oder einfach nur als „Korn“ bezeichnet.

Werden diese Körnchen dem Licht ausgesetzt, reagieren sie chemisch, verändern sich aber noch nicht im Sinne eines (Negativ-) Bildes. Im Grunde sind sie erst einmal „nur“ aktiviert, was bedeutet, dass sie unter Zuhilfenahme von Chemikalien so manipuliert werden können, dass sie eine dunkle Färbung annehmen. Diese Manipulation nennt man „Filmentwicklung“. Bereiche des Film, welche stärker dem Licht ausgesetzt waren, werden dunkler als Bereiche, die weniger stark dem Licht ausgesetzt waren. Auf diese Weise entsteht aus einem latenten Bild des unentwickelten Films ein Negativ, welches unterschiedlich stark geschwärzt ist. Diese Schwärzung des Negativs wird als „Dichte“ bezeichnet. Je dichter ein Negativbereich ist, je dunkler es also auf dem Negativ aussieht, je mehr Silberhalogenidkörnchen wurden zuvor durch vermehrt einwirkendes Licht aktiviert. Auf diese Weise kommt es, dass helle Bereiche im Motiv im Negativ dunkel wiedergegeben werden, während dunkle Motivbereiche im Negativ hell erscheinen.

Bei der Erstellung eines Abzuges wird Licht durch das Negativ auf Fotopapier geleitet. Hohe Dichten im Negativ (helle Bereiche des Motivs) halten mehr Licht des Vergrößerers zurück, als niedrige Dichten (dunkle Bereiche des Motivs). In den dunklen Bildbereichen wirkt nun im Umkehrprozess auf dem Fotopapier (welches ebenso wie der Negativfilm Silberhalogenidkristalle enthält) mehr Licht ein, so dass das Papier im folgenden Entwicklungsprozess dunkler und damit wieder „seitenrichtig“ wird.

Doch zurück zum Negativfilm! Der fertig entwickelte Film zeigt Bereiche unterschiedlicher Dichten, je nachdem, wie viel Licht auf ihn einwirken konnte. Manche Bereiche haben gar kein oder nur sehr wenig Licht erhalten, wie zum Beispiel die Negativränder. Diese erscheinen klar, ohne irgendeine Zeichnung. Lediglich die „Farbe“ des Negativs ist zu sehen. Dies ist die „normale Eintrübung“ des Filmmaterials, der sogenannte Grundschleier.

Diese Bereiche, in denen der Grundschleier erkennbar ist, werden im Zonensystem als Zone 0 bezeichnet.

Sobald eine gewisse Menge Licht auf das Negativ einwirken konnte, zeigen sich erste Dichten oberhalb des Grundschleiers. Dieser Bereich bildet die Zone 1. Nach der Menge des erforderlichen Lichtes zur Ausbildung dieser Zone 1 wird übrigens die Filmempfindlichkeit bestimmt.

Verdoppelt man die zum Erhalt der Zone 1 erforderliche Lichtmenge, erhält man eine Dichte der Zone 2.

Verdoppelt man die Lichtmenge der Zone 2, gelangt man zur Zone 3.

Diese Verdoppelungen der Lichtmengen kann man nun betreiben, bis man sehr hohe Dichten auf dem Negativ erzielt, die alle noch unterschiedlich sind, also Tonwertdifferenzen aufweisen. Viele vermuten, dass man dieses Spielchen bis zum Erreichen der Zone 10 fortsetzen kann, was aber tatsächlich nicht richtig ist. Tatsächlich kann man auf diese Weise bis in Zone 15 und sogar noch höher gelangen, bis dann wirklich Schluss ist. Der Grund für diesen Fehlschluss dürfte darin liegen, dass im (nicht manipulierten) Abzug alles ab Zone 9 als reinstes Weiß erscheint. Durch Manipulationen lassen sich jedoch auch die Bereiche oberhalb der Zone 9 nutzen. Dazu muss man nur länger das Licht durch die hohen Dichten der höheren Zonen auf das Fotopapier fallen lassen, bis diese Menge ausreicht, um Strukturen in die reinweißen Flächen zu zeichnen.

Das Zonensystem zur Steuerung der Grauwerte

Mit einem Negativ kann man zwei Dinge anstellen: Man kann sie belichten und man kann sie entwickeln. Mehr geht nicht. Somit sind Belichtung und Entwicklung auch die einzigen Möglichkeiten, die Dichten auf dem Negativ zu steuern (von Filterung und Nutzung des Schwarzschildeffektes mal abgesehen). Das Zonensystem bietet dabei eine zuverlässige Methode, Belichtung und Entwicklung richtig zu steuern.

Die richtige Belichtung des Negativs mit Hilfe des Zonensystems

Dabei muss man sich vor Augen halten, dass jeder Belichtungsmesser so eingestellt ist, dass er einen Tonwert der Zone 5, also ein mittleres Grau um fertige Bild produziert. Egal auf welches Objekt man mit dem Beli zielt: Er schlägt eine Belichtung vor, die das angemessene Objekt als mittelgraues erscheinen lassen würde. Egal ob es eine weiße Wand im Sonnenlicht oder eine schwarze Kiste im Schatten ist. Der Beli ist einfach auf mittleres Grau der Zone 5 geeicht. Er will alles was er sieht, in ein Grau der Zone 5 umsetzen.

Dies Erkenntnis können wir nun folgender Maßen für uns nutzen. Angenommen wir haben ein Objekt im Motiv, welches tatsächlich mittelgrau ist, vielleicht die Fahrbahndecke. Wir können die Fahrbahndecke mit dem Beli anmessen und die empfohlenen Werte an der Kamera einstellen. Das Bild würde nun richtig belichtet werden, denn die Fahrbahn würde im Bild wie Zone 5 wiedergegeben, exakt der Wert den sie ja auch in der Realität repräsentiert.

Aber auch Objekte, die heller sind als Zone 5, nehmen wir die weiße Wand, können wir mit dem Beli anmessen. Wir müssen nur beachten, dass die weiße Wand heller ist, als das mittlere Grau der Zone 5 und dies der Kamera auch „sagen“, denn die Kamera glaubt, sie wäre grau. Würden wir dies der Kamera nicht sagen, würde der Belichtungsmesser die weiße Wand so belichten wollen, dass sie letztlich so grau wie das Grau der Zone 5 aussehen würde. Also viel zu dunkel. Tatsächlich wollen wir die Wand im Bild jedoch heller haben. Wir müssen jetzt mehr Licht auf den Film geben, als der Belichtungsmesser vorschlägt. Aber wieviel mehr? Wenn wir uns die Zonenbeschreibungen ansehen, stellen wir fest, dass die Zone 7 bis 8 weiß mit wenig Zeichnung repräsentieren. So soll die weiße Wand im Bild auch erscheinen. Also nehmen wir die Belichtungsempfehlung des Belichtungsmesser, der die Wand in Zone 5 legen will und geben 2 bis 2,5 Blenden mehr Licht hinzu, so dass der Schnee in Zone 7 bzw. 7,5 rutscht. Jetzt wird er auch weiß abgebildet, und nicht grau.

Sofern wir in den Automatikprogrammen fotografieren, können wir der Kamera auch „sagen“, dass die Wand weiß ist, indem wir die Belichtungskorrektur auf +2 einstellen.

Ein Gedanke zu „Das Zonensystem von Ansel Adams

Kommentar verfassen