Lizenzfreie Fotos – Was ist das eigentlich?

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Die Lizenz für lizenzfreie Fotos 

Sogenannte lizenzfreie Fotos sind alles andere als erlaubnisfrei. Natürlich benötigt jeder, der sogenannte lizenzfreie Bilder benutzen möchte, eine Erlaubnis des Urhebers bzw. des Rechteinhabers. Das Urheberrecht selbst ist nicht übertragbar, nur Rechte an dem Werk (nicht an der Urheberschaft), wie Nutzungsrecht oder Verbreitungsrecht. Die „freie“ Lizenz unterscheidet sich von den üblichen Lizenzen, wie sie gewöhnlich erteilt werden bzw. in der Vergangenheit hauptsächlich erteilt wurden. Das hat folgenden Hintergrund:

Das  Urheberrecht ist sehr feingliedrig. Rechte an urheberrechtlich geschützten Werken können beliebig erteilt und auch eingeschränkt erteilt werden. Davon wird im Wirtschaftsleben auch rege Gebrauch gemacht. Im Alltag merkt das nur nicht jeder sofort, auch wenn wir fast alltäglich damit konfrontiert sind. So gibt es zum Beispiel für Filme immer wieder entsprechende Einschränkungen, was das „Verbreitungsgebiet“ anbelangt. So hat zum Beispiel der Anbieter X das Recht erworben, einen Film in Amerika, aber nicht in Europa zu verbreiten. Das Recht für den Vertrieb in Europa kann ein ganz anderer haben. Der Anbieter X muss also Sorge dafür tragen, dass, wenn er den Film übers Internet vertreibt, dieser nicht in Europa gestreamt werden kann. Entsprechende Hinweise hat sicher der ein oder andere schon gelesen. Auch bei „Reimporten“ von Fahrzeugen kann diese Problematik zum Tragen kommen. Apropos Reimporte: Kauft jemand im Urlaub z.B. eine Musik-CD in einem Geschäft in Mexiko und bringt sie mit nach Deutschland, dann könnte es bei einem Weiterverkauf z.B. auf einem hiesigen Flohmarkt zu urheberrechtlichen Problemen kommen, da die Verbreitungsrechte an der CD für das Verbreitungsgebiet Deutschland nicht automatisch miterworben wurden. Dies ist aber wie der Jurist sagen würde, Tatfrage. Also eine Frage des speziellen Einzelfalles. Das Abmahngeschäft der Anwälte funktioniert übrigens deshalb so prächtig, weil das Urheberrecht bzw. die damit verbundene Übertragung von Nutzungsrechten recht komplex ist und man schnell mal dagegen verstösst. Die häufig in Internetforen zu findenden Beschimpfungen gegen Abmahnungen beruhen leider zum allergrößten Teil auf Unkenntnis der User.  

Doch was hat das mit unseren Fotos zu tun? Das Internet ist nun mal in einem besonders hohem Maße auf die Existenz von Fotos angewiesen, die von überall auf der Welt frei abgerufen, geliked und geteilt werden können, ohne irgendwelche Rechtsprobleme von „Verbreitungsgebieten“ und „Reimporten“ aufzuwerfen. Man stelle sich vor, man würde im Urlaub eine deutsche Zeitung im Internet lesen, und alle Bilder würden gesperrt sein…

Für so etwas wurde das Rechtskonstrukt lizenzfreie Fotos entworfen. Genaugenommen ist es eine fehlerhafte Übersetzung in die deutsche Sprache und müsste eigentlich ungefähr heißen „weltweit gültige, vereinfachte Lizenz“. Dieser Begriff trifft den Kern besser. Denn eine einmal erworbene Lizenz muss nicht für jedes einzelne denkbare Verbreitungsgebiet und nicht mit Erreichen einer bestimmten „Auflage“ (im Zusammenhang mit dem Internet wären es die Abrufzahlen) neu erworben werden. 

Man kann solche „vereinfachten“ Lizenzen für bestimmte Fotos  bei verschiedenen Agenturen (sog. Stockagenturen), wie zum Beispiel Getty Images oder Fotolia erwerben, und die dort „gekauften“ Bilder weitestgehend verwenden. Einschränkungen hinsichtlich der Verwendung ergeben sich jedoch aus den erworbenen Rechten an den „lizenzfreien“ Bildern, die in den Verträgen und den AGBs der Agenturen beschrieben sind. Diese Stockagenturen funktionieren im Prinzip wie die sozialen Plattformen des Internet: Der Fotograf eröffnet einen Account bei der Agentur und lädt seine Fotos hoch. Diese werden dann allerdings von Mitarbeitern der Agentur gesichtet und entweder zum Vertrieb angenommen oder abgelehnt. Im Falle der Annahme des Bildes erscheint dies auf der Webseite der Agentur und man kann Rechte daran erwerben. Der Fotograf erhält von dem Verkaufspreis dann seinen Anteil von der Agentur überwiesen.

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