Ein Sonnenaufgang am Allermöher Deich.

Stadtteil im Portrait: Allermöhe

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Ein Sonnenaufgang am Allermöher Deich.

Allermöhe – Natur, Geschichte und Entdeckungen am Rand der Metropole

Allermöhe ist einer der vielseitigsten und zugleich unterschätzten Stadtteile Hamburgs. Zwischen Elbarmen, Marschland und modernen Wohnquartieren gelegen, bietet Allermöhe eine seltene Kombination aus Naturerlebnis, Geschichte und ruhigem Stadtrandflair. Wer Hamburg einmal abseits der klassischen Sehenswürdigkeiten entdecken möchte, findet hier weite Landschaften, historische Spuren und überraschende Einblicke in die industrielle Vergangenheit der Region.

Dieser Beitrag richtet sich bewusst auch an Besucherinnen und Besucher. Er lädt dazu ein, Allermöhe als Ausflugsziel zu entdecken – sei es für einen Spaziergang entlang der Dove-Elbe, eine Radtour durch die Marschlande oder eine historische Erkundungstour.


Die historische Entwicklung von Allermöhe

Die Geschichte Allermöhes ist eng mit der Kultivierung der Vier- und Marschlande verbunden. Das Gebiet wurde über Jahrhunderte durch Entwässerung, Deichbau und landwirtschaftliche Nutzung geprägt. Der Name Allermöhe verweist auf diese Landschaft: „Möhe“ oder „Möheland“ bezeichnete ursprünglich sumpfige, feuchte Wiesenflächen.

Erstmals urkundlich erwähnt wurde Allermöhe im Mittelalter. Über lange Zeit war der Ort bäuerlich strukturiert, geprägt von Hofstellen, Entwässerungsgräben und einer klaren Ausrichtung auf Landwirtschaft. Anders als viele andere Hamburger Stadtteile blieb Allermöhe bis ins 20. Jahrhundert hinein ein vergleichsweise abgeschlossener, ländlicher Raum.

Erst mit der Eingemeindung nach Hamburg und insbesondere mit den Planungen der Nachkriegszeit begann eine Phase tiefgreifender Veränderung. Dennoch ist die historische Schichtung bis heute ablesbar – im Landschaftsbild, in alten Wegen und in der Struktur der Siedlungen.


Die Dove-Elbe: Lebensader und Landschaftsraum

Die Dove-Elbe ist eines der prägendsten Elemente Allermöhes. Als abgetrennter Elbarm fließt sie ruhig durch die Vier- und Marschlande und formt das Landschaftsbild entscheidend mit.

Historisch war die Dove-Elbe von zentraler Bedeutung für Entwässerung, Transport und Landwirtschaft. Heute ist sie zugleich Naturraum, Freizeitgebiet und identitätsstiftendes Element. Uferwege, Brücken und Blickachsen prägen die Wahrnehmung des Stadtteils.

Die Dove-Elbe verleiht Allermöhe Weite und Offenheit. Wasserflächen, Spiegelungen und jahreszeitliche Veränderungen machen sie zu einem wichtigen Motiv für Fotografie, Malerei und Erholung. Gleichzeitig erinnert sie an die enge Verbindung des Stadtteils zur Elbe und zum Wasser als gestaltende Kraft.

Hier n der Dove-Elbe in Allermöhe gibt es sogar eine Werft: Die Allermöher Werft, in der unter anderem Bootseigner Ihre Sportboote überwintern lassen können.


Alt-Allermöhe und Neu-Allermöhe

Rund 25 Jahre lang, nämlich von Mitte der 80iger-Jahre bis 2011, war die Zweiteilung von Allermöhe charakteristisch. Man unterschied zwischen Alt-Allermöhe und Neu-Allermöhe, zwei Siedlungsräumen mit sehr unterschiedlichem Erscheinungsbild und sozialer Struktur. Historisch war Allermöhe immer ländlich geprägt. Besiedelt war (und ist) der Stadtteil fast ausschließlich in den Bereichen seiner Gewässer, im Wesentlichen der Dove-Elbe. Als in Zeiten des sogenannten Wirtschaftswunders mehr Wohnraum in Hamburg benötigt wurde, begannen in den 60iger-Jahren Planungen zur Bebauung des nördlichen, unbesiedelten Bereiches von Allermöhe mit größeren Siedlungen, die nach ihrer Fertigstellung im Jahr 2011 zum eigenständigen Stadtteil Neuallermöhe wurden (jetzt als „Neuallermöhe“ zusammengeschrieben, vorher noch getrennt!).

(Alt-) Allermöhe bewahrt bis heute den ländlichen Charakter der Marschlande. Einzelhöfe, Reetdächer, weite Felder und Wasserläufe prägen das Bild. Die Bebauung ist locker, die Wege verlaufen oft entlang von Gräben und Deichen. Hier wird die historische Verbindung von Mensch und Landschaft besonders deutlich.


Olympiastützpunkt an der Dove-Elbe

Die deutschen Leistungssportler im Rudern und Kanufahren finden ihre Anlaufadresse in Allermöhe. Und zwar am Allermöher Deich 34-36. Direkt an der Regattastrecke.

Wer mehr zu diesem Zentrum wissen möchte, der möge sich noch etwas gedulden. Ich arbeite an einem eigenen Beitrag über die Anlage. Es wird aber noch etwas dauern.


Erdöl- und Erdgasförderung: Pferdekopfpumpen in Allermöhe

Ein wenig bekanntes, aber prägendes Kapitel der Allermöher Geschichte ist die Erdöl- und Erdgasförderung. In den Vier- und Marschlanden, auch im Bereich Allermöhe, wurden seit dem 20. Jahrhundert Kohlenwasserstoffe gefördert.

Typisches Symbol dieser Förderung sind die sogenannten Pferdekopfpumpen. Diese mechanischen Förderanlagen, die an das rhythmische Nicken eines Pferdekopfes erinnern, prägen bis heute punktuell das Landschaftsbild. Sie fördern Erdöl aus tieferen Bodenschichten und sind Ausdruck einer Phase industrieller Nutzung in ansonsten landwirtschaftlich geprägter Umgebung.

Die Förderung erfolgte stets unter strengen Auflagen und blieb räumlich begrenzt. Dennoch stellt sie einen bemerkenswerten Kontrast dar: Zwischen Feldern, Gräben und Deichen arbeiten technische Anlagen, die auf globale Energiezusammenhänge verweisen.

Für Allermöhe bedeutet dies eine besondere Identität – ein Stadtteil, in dem Natur, Landwirtschaft und Industrie auf ungewöhnliche Weise zusammentreffen.


Die alte Kirche und religiöse Geschichte

Ein zentrales historisches Bauwerk ist die alte Kirche von Allermöhe, die Dreieinigkeitskirche. Sie steht sinnbildlich für die lange Siedlungsgeschichte des Ortes und die Bedeutung kirchlicher Strukturen in den Marschlanden.

Die Kirche dient über Jahrhunderte als geistliches und soziales Zentrum. Hier wurden nicht nur Gottesdienste abgehalten, sondern auch wichtige Entscheidungen für das Gemeinwesen getroffen. Architektur und Lage spiegeln die Anpassung an die Landschaft wider: erhöhte Standorte, solide Bauweise und eine klare Ausrichtung auf Beständigkeit.

Bis heute ist die Kirche ein identitätsstiftender Ort, der Vergangenheit und Gegenwart miteinander verbindet. Sie betreibt natürlich auch ihre eigene Webseite.


Sehenswürdigkeiten und Besonderheiten

Allermöhe ist kein klassischer Touristenstadtteil, doch gerade darin liegt sein Reiz. Zu den besonderen Sehenswürdigkeiten zählen:

  • die Dreieinigkeitskirche
  • die weitläufige Marschlandschaft mit ihren Entwässerungsgräben
  • historische Hofanlagen und Bauernhäuser
  • die Dove-Elbe mit ihren Uferwegen
  • Spuren der ehemaligen Eisenbahnverbindungen in den Vierlanden
  • die Erdölförderanlagen als industriegeschichtliche Relikte

Diese Orte erschließen sich weniger über spektakuläre Bauwerke als über Ruhe, Weite und Detail.


Allermöhe als Ausflugsziel

Allermöhe eignet sich hervorragend für ruhige Tagesausflüge. Spaziergänge entlang der Dove-Elbe, Fahrradtouren durch die weite Marschlandschaft oder das bewusste Entdecken historischer Strukturen machen den Reiz dieses Stadtteils aus. Cafés, Hofläden und kleine Wege abseits des Trubels laden zum Verweilen ein.

Gerade für Besucher, die Hamburgs landschaftliche Seite kennenlernen möchten, ist Allermöhe ein idealer Ausgangspunkt.


Anreise und Erreichbarkeit

Der Bahnhof Allermöhe. Eine Kuriosität.

Bahnhöfe tragen ja gewöhnlich als Haltestellenname den Namen des Ortes ihrer Lage. Nicht so wie bei Schiffen, die frei nach Schnauze auf irgendwas getauft werden können. Man könnte ein Schiff namens „Berlin“ also durchaus in Hamburg antreffen. Den Bahnhof Allermöhe muss deren Betreiber, die Deutsche Bahn, wohl für ein Schiff halten. Denn der Bahnhof Allermöhe liegt in nicht Allermöhe, sondern außerhalb davon. Sogar sehr weit außerhalb davon. Nämlich im Stadtteil Neuallermöhe.
Vom Bahnhof Allermöhe sind es gut 30 Minuten Fußmarsch bis zum nächstgelegenem Ziel in Allermöhe, dem See Hinterm Horn. Mit dem Fahrrad sind es allerdings nur 10 Minuten Fahrtweg.
Der Grund für diese „Namenskuriosität“ ist in der Entwicklung des Stadtteils begründet: Früher gehörte das Gebiet, in dem der Bahnhof liegt nun mal zu Allermöhe. Seit 2011 aber nicht mehr.

Anreise für Fußgänger mit öffentlichen Verkehrsmitteln

Am Besten erreicht man den Stadtteil Allermöhe mit dem Bus der Linie 321. Die Linie ist mit dem S-Bahnnetz an den Haltestellen Mittlerer Landweg sowie Bergedorf verbunden. Wie gesagt, steigt man an der Haltestelle Allermöhe aus, ist man aufgeschmissen, den man befindet sich im Stadtteil Neuallermöhe und hat gut 30 Minuten Fußmarsch bis nach Allermöhe vor sich. Mit dem Bus der Linie 321 erreich man quasi jeden Winkel von Allermöhe. Denn im Wesentlichen gibt es nur eine Straße in Allermöhe, den Allermöher Deich. Und dieser wird von dem Bus im Prinzip komplett abgefahren.

Mit dem Auto erreicht man Allermöhe über die Autobahn A25 (Abfahrt Allermöhe) oder über die Bundesstraßen im Hamburger Osten. Für Radfahrer ist der Stadtteil besonders attraktiv: Zahlreiche gut ausgebaute Radwege verbinden Allermöhe mit Bergedorf, den Vierlanden und den Elbdeichen.


Fazit: Allermöhe entdecken und erleben

Allermöhe ist mehr als ein Randbezirk Hamburgs. Seine Geschichte, die besondere Stadtteilstruktur, die Erdöl- und Erdgasförderung, die Dove-Elbe und die historischen Bauwerke machen ihn zu einem vielseitigen Ziel für Besucher und Einheimische gleichermaßen.

Wer Allermöhe besucht, entdeckt einen Stadtteil, der Ruhe, Weite und Geschichte vereint – und damit eine ganz eigene Facette Hamburgs erlebbar macht.

Wer mehr zu Allermöhe wissen möchte, findet hier bei Wikipedia natürlich mehr.


Impressionen aus Allermöhe

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