Gegenlichtaufnahme in die Sonne mit manueller Belichtung nach der Sunny-16-Regel

Gegenlicht im manuellen Modus

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Gegenlichtaufnahme in die Sonne mit manueller Belichtung nach der Sunny-16-Regel

Gegenlicht lässt sich im manuellen Modus hervorragend meistern. Eigentlich besser als im Automatikbetrieb. Denn mit der Automatik kann es schon mal passieren, dass diese das Licht falsch interpretiert. Im manuellen Modus geht das nicht, denn da hat die Automatik Pause. Wichtig ist, dass man nach den Regeln der Sunny-16-Regel vorgeht. Ohne diese wird das nämlich nichts.

Die nachfolgende Serie zeigt, welche Lichtmengen bei welcher Blende auf den Sensor fallen. Wie bereits gesagt, die Anwendung der Sunny-16-Regel ist wichtig, d.h. die Verschlusszeit muß dem Kehrwert der eingestellten Film- bzw. Sensorempfindlichkeit entsprechen (oder einem entsprechenden Äquivalent, mehr dazu gleich). Also zum Beispiel ISO 125 und 1/125s Verschluszeit (oder 1/100s, falls 1/125s nicht verfügbar ist). Danach wird die Blende gemäß Lichtsituation eingestellt. Da hier heller Sonnenschein herrscht, ist Blende 16 (f/16) die richtig Wahl. Ich habe aber auch mal größere und kleinere Blenden gewählt, um die Unterschiede zu zeigen.

Aus der Regel abgeleitete Äquivalente

Um ehrlich zu sein (bzw. transparent, der Begriff wäre hier treffender): Die nachfolgenden Bilder sind tatsächlich mit anderen Kombinationen aus dem Belichtungsdreieck aufgenommen worden, nicht mit den angegebenen Blenden. Hintergrund ist nämlich, dass mir die Idee zu dieser kleinen Fotoserie spontan kam, als ich an jener Stelle vorbeifuhr. Ich hatte aber nur meine Immer-dabei-Kamera mit, eine kleine Lumix-Kompaktkamera. Und die hat nun mal keine Blende 16 oder sogar noch kleiner. Daher musste ein kleiner Kunstgriff her, der aber mittels der Sunny-16-Regel ebenso einfach zu meistern ist, wie Gegenlicht im manuellen Modus. Wer Sunny-16-Regel und Belichtungsdreieck nämlich verinnerlicht hat, dem gelingt es spielend, auch andere gültige Blenden-/Verschlusszeit-/Empfindlichkeitskombinationen abzuleiten, die der Ausgangskombination mit dem Kehrwert entsprechen.


Licht bei f/11
Mit Blende 11 gelangt eigentlich etwas zuviel Licht auf den Sensor. Dennoch wäre die Aufnahme brauchbar. Diese Serie habe ich ja alleine zu Demonstrationszwecken geschossen, so dass ich die Stufen von f/11 bis f/32 nacheinander anfertigte. Persönlich hätte ich mit f/13 losgelegt, einer Zwischenblende. Das ist nach meiner Erfahrung die richtige Einstellung bei direktem Sonnenlicht. Egal ob bei Gegenlicht, Seitenlicht oder Frontlicht.


Licht bei f/16
Diese Belichtung ereignet sich gut für die Ausarbeitung. Es ist genügend Spielraum sowohl in den hellen, als auch in den dunklen Bereichen vorhanden, um Details herauszuarbeiten.


Licht bei f/22
Diese Aufnahme habe ich für die Ausarbeitung des Titelbildes genutzt. Nach der Suny-16-Regel wäre eigentlich f/16, also das Bild über diesem die „richtige“ Wahl. Ich hatte dennoch dieses Bild gewählt, um zu sehen, wie stark sich das Bildrauschen in den dunkleren Bildbereichen beim Aufhellen in Lightroom und Photoshop bemerkbar macht. Eigentlich gar nicht so richtig, zumindest nicht, wenn man die Bilder nicht weiter vergrößert. Gewöhnlich nehme ich für die Ausarbeitung aber die f/16- oder sogar die f/11-Belichtung. Das hängt davon ab, wie sich die unmittelbare Umgebung der Sonne gestaltet. In dieser Perspektive ist die dunkle Baumkrone unmittelbar neben der ausbrennenden Sonne platziert, so dass ich die etwas dunklere Variante für die Bearbeitung nahm. Denn in ihr kommt die Krone etwas besser heraus.


Licht bei f/32
Mit persönlich wäre das Bild für eine Bearbeitung zu dunkel. Allerdings wäre es auch nicht gänzlich unbrauchbar. Es ist gut zu erkennen, dass die Zweige direkt links neben der Sonne noch Zeichnung aufweisen. Wer also ein HDR-Bild durch überblenden mehrerer unterschiedlich belichteter Bilder (wobei dann allerdings ein Stativ nötig wäre) erstellen möchte, könnte auch so eine Aufnahme gebrauchen.

Ein anderes Beispiel

Wie verlässlich die Sunny-16-Regel funktioniert, zeigt sich auch an den beiden nachfolgenden Bildern, die ich eben gerade ad hoc geschossen habe, während ich an diesem Beitrag schreibe. Wir haben gerade viel Schnee hier in Hamburg und heute morgen ist es komplett bewölkt und etwas diesig. „Typische 5.6-Blenden-Wetter“. dachte ich mir und hielt, wie zu Prüfung meiner These, meine Kamera aus dem Fenster. Als Einstellung wählte ich ISO 100, als Verschlusszeit den Kehrwert 1/125s (die Kamera verfügt nicht über 1/100s), und natürlich Blende f/5.6.

Voila! Die Bilder sind korrekt belichtet. Sie sind nicht bearbeitet, sondern kamen so aus der Kamera. es brauchte auch keinerlei „Testaufnahmen“ oder Prüfung irgendwelcher Histogramme. Zwei Aufnahmen im manuellen Betrieb, zwei richtige Belichtungen! Und das sogar bei Schnee! Man könnte jetzt natürlich noch etwas an der Farbtemperatur schrauben. Aber darum geht es hier jetzt nicht.

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