Welche Auflösung braucht eine Kamera?

Blendenring einer alten Balgenkamera

Voraussichtliche Lesedauer: 4 Minuten

Die Pixelfrage bei Kameras scheint insbesondere bei den technikbegeisterten Gelegenheitsfotografen manchmal schon religiöse Züge anzunehmen. Für manche scheint die Frage von ein paar Pixeln Auflösung mehr oder weniger das entscheidende Kriterium beim Kamerakauf zu sein. Schuld daran ist die Werbung, weil ein zum Beispiel gutes Rauschverhalten nicht so plakativ herausgeschrien werden kann, wie etwa „sagenhafte 40 Megapixel!“, was sogar größer als die HD Auflösung gängiger Fernseher ist.

Die Kameratechnik hat meines Erachtens in manchen Bereichen eine Präzision erreicht, die Unterschiede zwischen verschiedenen Modellen aus dem Bereich des menschlich Wahrnehmbaren längst hinauskatapultiert hat. Unterschiede sind höchstens im Labor messbar oder nur noch rechnerisch zu ermitteln. Selbst die HD Auflösung eines Fernsehers hat eine geringere Auflösung als heutige Kameras.

Doch zurück zur Pixelfrage. Die derzeit im Handel erhältlichen Geräte haben meines Erachtens längst die Grenze von dem, was noch sinnvoll ist, überschritten. Denn man möge sich bitte folgendes vor Augen führen: Selbst ein HDTV-Fernseher besitzt nur schlappe 2 Megapixel. Die Bilder auf ihm sind gestochen scharf. Mehr als 2 Megapixel kann er nicht anzeigen, weil er nun einmal nicht mehr Bildpunkte hat.

Füttert man einen solchen Fernseher mit einem 20 MP großen Foto, dann muss der interne Rechner des Fernsehers diese schön große Foto auf ungefähr 2 MP herunterrechnen, die dann angezeigt werden. Das geht sicher sehr schnell. Ändert aber nichts an der Tatsache, dass  90 Prozent (!!!) des ursprünglichen Bildes in Luft aufgelöst werden.

Auflösung für digitale Medien

Wer seine Bilder also sowieso nur auf Fernseher, Monitoren, Tablets oder Handys betrachten will, benötigt eigentlich nicht viel mehr als 2 MP in seiner Kamera. Es gibt zwar gute Gründe, über etwas Reserve zu verfügen. Dennoch halte ich Pixelwerte von über 20 MP für den Normalgebrauch von Otto Normalverbraucher für völlig übertrieben. 15 MP reichen dicke!

Das folgende Bild hat, so wie es abgebildet ist  eine Auflösung  300 x 199 Pixeln, also schlappe 59.700 Pixel. Sicherlich haut ein solch kleines Foto niemanden vom Hocker, aber wenn ihr draufklickt, erscheint es in Vollauflösung mit auch nur 1980 x 1315 Pixeln, also in ungefähr HD Auflösung mit „nur“ 2,6 MP!

Blick zur Decke der Marienkirche in Lübeck - Bild in geringer Auflösung 300x199px
Marienkirche in Lübeck

Über die Gründe, die für etwas Pixelreserve sprechen und weswegen ich auch ohne Not beim Kamerakauf nicht unter 10 MP gehen würde (was eigentlich sowieso nur noch auf dem Flohmarkt möglich scheint), schreibe ich später einmal.

Wie groß die Auflösung für den Ausdruck sein sollte, erfahrt ihr hier.

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