bildgestaltung

#6: Der Punkt als bildnerisches Element

Der Punkt ist das kleinste Element der Bildgestaltung. Im mathematischen Sinne mag er unendlich klein sein, ohne jede Ausdehnung. Im bildnerischen Sinne ist dies anders. Er muss sogar eine gewisse Größe, also eine gewisse Fläche haben, um überhaupt wahrgenommen werden zu können. Auch kann diese Fläche jede erdenkliche Form haben: Die eines Kreises oder die eines Dreiecks etwa. Diese Form besitzt allerdings nur wenig Ausdehnung, so wenig, dass das Auge des Betrachters keine Bewegung vollziehen muss, um sie zu erfassen und auch sonst keine Richtung andeuted. Das unterscheidet den Punkt aus bildnerischer Sicht von der Linie und den Flächen (Kreis, Oval, Quadrat, Rechteck und Dreieck), welche das Auge allesamt zu führen imstande sind und bestimmte Assoziationen beim Betrachter auszulösen (z.B. Ruhe, Ausgeglichenheit, Dynamik, Stabilität usw. zu vermitteln).

Der Punkt ist einfach nur da. Insbesondere innerhalb einer homogenen Fläche wirkt er als Ruhepunkt bzw. Blickfang für das Auge. Zwischen 2 Punkten, insbesondere zwischen 2 gleichen kann ein Spannungsverhältnis entstehen, da das Auge zwischen ihnen hin und her pendeln kann, weshalb die direkte Verbindung zwischen ihnen auch als gedachte Linie funktionieren kann. Je mehr Punkte in einer Flucht zueinander liegen, je stärker ist auch diese gedachte Linie ausgeprägt, bis hin zur tatsächlichen Ausbildung einer realen  Linie bei ganz vielen Punkten, wie es zum Beispiel auch bei Nagelreihen auf Fahrbahnen der Fall ist.

Bis wann ein Element noch als Punkt gelten kann bzw. ab wann man von Rechteck oder Kreis spricht, ist relativ. Je größer das Element im Verhältnis zum Gesamtbild, desto mehr wandelt sich der Punkt in Richtung Form und übernimmt dabei mehr und mehr eine das Auge lenkende (und nicht nur anziehende) Funktion.

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