#5: Fotografie – Die Kunst des Weglassens

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Während der Maler eines Bildes sich über alles was er im Bild zeigen möchte, Gedanken machen muss, und für jedes Element eine positive Entscheidung treffen muss (schließlich muss er die Sachen ins Bild malen), muss der Fotograf überflüssige Dinge aus dem Bild eleminieren. Eine verwehten rote Plastiktüte im Hintergrund eines Portraits ist nun mal im Bild zu sehen, wenn der Fotograf sie nicht bemerkt. Ein Maler wird sie kaum aus Versehen ins Bild malen. Dem Fotografen kann das sehr wohl passieren. Es reicht, wenn der Unrat vorhanden ist und der Fotograf ihn nicht bemerkt. Dann wird er ins Bild gebrannt. Ähnlich ist das mit Masten und Bäumen, die dem Portraitierten aus dem Kopf zu wachsen scheinen.

Um diese Problem in den Griff zu bekommen, ist es wichtig, sich der Haupt- und Nebenelemente bewusst zu sein und rücksichtslos alles andere aus dem Bild zu entfernen, was nicht zu dem Bild gehört. Was weg ist, kann auch nicht ungewollt im Bild stören und ablenken. Und was bewusst als Nebenelement bestimmt wird, ist vom Fotografen auch auf die „Bildfähigkeit“ geprüft worden.

Etwas anderes ist es natürlich, wenn man Übersichten, z.B. von einem Straßenfest schießt. Da ist die Situation von Haus aus unübersichtlich und es fällt schwerer, den Überblick zu behalten. Denn Übersichten sind nun mal Übersichten, was bedeutet, dass sie im Prinzip alles zeigen. Da aber jedes Bild nun mal nie alles zeigen kann, schließlich ist es durch seine Ränder begrenzt, gibt es auch hier Möglichkeiten der Begrenzung, d.h. der Selektion von Haupt- und Nebenelementen. In so einem Fall muss man sich bewusst machen, was man denn nun eigentlich zeigen will. Welcher innere Wunsch lies die innere Stimme: „Fotografier das!“ sagen? Welches innere Gefühl? Wenn dies identifiziert ist, lassen sich die bildwichtigen Elemente bestimmen.

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