Berliner Straßenbahn

#1: Funktionsweise der Bildsprache einer Fotografie

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Bildsprache? Funktionsweise? Was soll das denn? Ich schau drauf und fertig!

Ja? Ist das so einfach? Oder bedarf es einer einheitlichen Bildsprache zum Verständnis von Bildern?

Der Sinn eines Bildes im Allgemeinen und eines Fotos im Besonderen kann sehr unterschiedlich sein. Manche sollen tiefgründige Botschaften vermitteln, andere „nur“ schön anzusehen sein. Andere wiederum sollen Bedürfnisse wecken, wie zum Beispiel in der Werbung. Und andere, wie zum Beispiel die Fotos der Polizeifotografen, müssen eine möglichst objektive Darstellung der Verhältnisse an einem Tatort zeigen, wobei keinerlei Freiraum für künstlerische Kreativität bleibt, sondern alleine das fotografische Handwerk zählt.

Wie schafft ein Foto all das?

Es bewerkstelligt all dies mit der sogenannten Bildsprache, der ich später noch eine eigene Folge widmen werde. „Ein Bild sagt mehr als tausend Worte“. Auch dieses Sprichwort reflektiert auf die Sprache und bringt zum Ausdruck, dass sich mit einem Bild sehr viel ausdrücken und vermitteln lässt. Einfacher als es die Sprache je könnte. Nicht zufällig sind soziale Plattformen wie Instagram, YouTube und Co. so erfolgreich.

Um uns klar zu machen, wie Fotos durch ihre Bildsprache funktionieren, wenden wir uns zunächst einmal der „richtigen“ Sprache zu. Diese besteht aus einer Aneinanderreihung von Lauten (in der Bildsprache sind es die Elemente) und aus deren Klang können wir deren Bedeutung erschließen. Wenn ich mich daran zurückerinnere, wie meine Mutter mir früher Geschichten von Prinzen und Prinzessinnen vorlas, dann weiß ich noch heute, wie ihre Sätze vor meinem inneren Auge Bilder von Schlössern, weißen Pferden und wunderschönen jungen Prinzessinnen produzierten. Kopfkino nennt man dies heute. Dieses Kopfkino ist aber noch nicht das einzige. Es löste auch Gefühle in mir aus. Schöne, glückliche, traurige, ängstliche, wütende u.s.w.

Diese Gefühle zogen auch Verhaltensweisen nach sich. Entweder ich konnte einschlafen (bei schönen Gefühlen) oder eben nicht. Im letzten Fall musste Mama weiterlesen, bis ich einschlafen konnte.

Genauso funktionieren Werbefotos. Das Foto eines schäumenden Bieres soll nun mal das Gefühl „Durst“ auslösen, welches das Verhalten „Kauf eines Bieres“ nach sich ziehen.

Solche Beispiele ließen sich beliebig lang aufführen. Es sollte aber mit diesem einen Beispiel deutlich geworden sein, worum es geht.

Wo wir gerade bei der „Wirkungsweise“ sind: In der Aktfotografie sollte ein Foto mehr durch seine Ästhetik wirken, weniger durch Erotik. Obgleich ein Schuß Erotik natürlich das Salz in der Suppe ist. Da aber die Vorstellungen von dem, was erotisch ist und was nicht, bei den Menschen auseinandergehen, muss noch genug von dem Bild (Pose, Umgebung, Licht etc.) übrig bleiben, wenn die Erotik nicht rüberkommt, um trotzdem als ausdrucksstarke Fotografie zu gelten. Nämlich die Ästethik. Nicht umsonst zählt die Aktfotografie zu den schwierigsten Themen der Fotografie.

Damit sind wir auch schon mitten im Thema, wenn es um die Frage der Funktionsweise einer Fotografie geht. Sie funktioniert eben nicht ausschließlich durch das abgebildete Sujet, sonder auch über die Art und Weise der Darstellung, der Pose, der Perspektive, Lichtführung und vielem mehr, was ich später noch mal in einem eigenen Beitrag  (oder Beiträgen) dargestellten werde. Sie funktionieren dadurch, dass sie unterschiedliche Gefühle auslösen. Nämlich die, die sich der Fotograf vorstellte, als er den Auslöser drückte. Hauptsächlich hierin unterscheidet sich übrigens die Fotografie von der Knipserei. Der Fotograf überlegt, was er beim Betrachter auslösen will, der Knipser nicht. Und er überlegt, welche Bildelemente (die Worte eine Bildes) er in welcher Anordnung (der Grammatik eines Bildes) ablichten muss, damit alles eine klare Sprache, einen klaren Ausdruck und damit ein gutes Foto ergibt.

Der Fotograf fragt sich, was ihn an dem Motiv derart reizt, das er es fotografieren möchte. Er fragt also nach seinem inneren Motiv, welches ihn dazu drängt, das Motiv vor der Kamera abzubilden. Der Knipser nicht. Er hält einfach drauf. Was aber auch seine Berechtigung hat und ich nicht abqualifizieren möchte. Auch die Knipserei erfüllt ihren Zweck und hat ihre Daseinsberechtigung. 

Doch dazu mehr in der zweiten Folge dieser Reihe. An dieser Stelle sei nur soviel verraten: Wohl jeder kennt die Situation, dass man eher gelangweilt die Urlaubsfotos eines anderen anschaut, während dieser voller Begeisterung über die Szene im Foto berichtet. Dies hat seine Ursache in der eben beschriebenen Wirkungsweise. Es wirkt nun mal nicht alles bei jedem gleich.Doch dazu später mehr.

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